zwischen den Zeilen
unseres Unterwegsseins, unserer Bemühungen, Begegnungen und Gespräche kann – manchmal überraschend – auftauchen, was wesentlich ist. Es braucht die Bereitschaft, das Machen und Tun zu unterbrechen und einfach mal nur zu sein. Vielleicht bieten diese sommerlichen Tage Gelegenheit dafür. Dazu einladend ein Gedicht der amerikanischen Dichterin Mary Oliver (aus „Gesammelte Gedichte – Sag mir, was hast du vor mit deinem wilden, kostbaren Leben?“):
Der Sommertag
Wer machte die Welt?
Wer machte den Schwan und die Schwarzbärin?
Wer machte die Heuschrecke?
Diese Heuschrecke hier meine ich –
die sich aus dem Gras katapultiert hat,
die jetzt Zucker aus meiner Hand frisst,
die ihre Kiefer vor- und zurückschiebt statt auf- und abwärts –,
die ringsumher starrt mit ihren riesigen, komplexen Augen.
Jetzt hebt sie ihre Vorderbeine und wäscht ihr Gesicht.
Jetzt klappt sie die Flügel auf und gleitet davon.
Ich weiß nicht genau, wie ein Gebet aussieht.
Ich weiß, wie man Aufmerksamkeit schenkt, wie man
ins Gras fällt, wie man sich ins Gras kniet,
wie man müßig und gesegnet ist, wie man durch Felder streunt,
denn das ist es, was ich den ganzen Tag machte.
Sag, was hätte ich sonst machen sollen?
Stirbt nicht alles am Ende und viel zu schnell?
Sag mir, was hast Du vor
mit deinem wilden, kostbaren Leben?
Mögen wir in dieser wunderbaren Verbundenheit mit allem, was lebt, müßig sein und gesegnet! So wünsche ich uns eine gute und erholsame Sommerzeit!
Christoph Kunz, der neue geistliche Begleiter unserer KEB in Sachsen-Anhalt.
Bildrechte: Christoph Kunz