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Titelbild zum News-Artikel Sie nebelt!
Ein Escape-Game mit einer KI und was danach hängen bleibt

Sie nebelt!

Sie? Warum vermenschlichen wir KI und schreiben ihr Pronomen zu? Ich tue es jedenfalls ganz selbstverständlich und dichte ihr gleich auch noch den Nebel an.
Wenn ich es genau nehme, hat die KI den Nebel nicht erzeugt. Ich stehe mit meinen zwei Mitstreitern in einem mobilen Escapebus. Unsere Aufgabe ist es, die KI KIM zu trainieren, dabei Rätsel zu lösen und den Raum in unter 60 Minuten zu verlassen. Der Nebel ist dabei nur Effekt, den die Entwickler eingebaut haben, um mehr Atmosphäre zu erzeugen. KIM gibt sich ahnungslos und hilfebedürftig. Sie möchte von und durch uns lernen. Wir steigen nett ein mit einer Vorstellungsrunde. Wir müssen KIM beibringen, welche Bedeutung Wörter haben, wie Satzstrukturen richtig lauten, Gegenstände präsentieren, damit sie sie erkennen kann, und soziale Beziehungen darstellen. Viel schwieriger wird es, als wir KI-generierte von echten Fotos unterscheiden sollen. Putin kniet vor Xi Jinping. Physisch möglich, aber ich glaube, dieses Bild gibt es nicht, was sich bewahrheitet. Beim Sonnenuntergang sind wir dann doch aufgeschmissen. Vielleicht auch weil sie uns deutlich mehr KI-Bilder zeigt und wir in die Falle tappen, jetzt muss doch auch mal eine echte Aufnahme folgen. Nicht einfach, und zu guter Letzt sollen wir ihr Moral und Ethos beibringen. Wir sind uns einig, dass zur Nutzung von KI mehr regenerative Energiequellen genutzt werden soll, schwanken dann jedoch, ob der Energieverbrauch für KI-Anfragen reguliert werden soll. Der Zeitdruck verleitet uns dazu, die unanständigste Antwort auszuschließen, bleiben meist noch zwei über. Nach wie vor eine schwierige Abwägungssache. Im letzten Teil will sie uns nochmal richtig testen. Ihr droht der Datenverlust, die Zeit läuft, gegen uns. Items finden, Farbrätsel lösen, Steckverbindungen im Serverraum korrekt verkabeln. Geschafft, gegenseitiges High Five. Die Tür geht auf. Der Nebel im Bus ist weg, dafür der in meinem Kopf etwas dichter! Nicht mein erster Ausbruch aus einem Escaperoom. Aber einer, der mich erstaunt, wehmütig und fragend zurücklässt.

Ich bin erstaunt, dass Technik Realitäten verschiebt. Bilder, Deep Fakes und Texte. Alles wirkt immer stimmig. Egal, ob das Sätze in passenden Längen sind, die korrekte Zielgruppenansprache, kleinen Icons, Rahmen, Hintergrundmusik in Videos und Kamerawechsel. Früher war Perfektion ein Zeichen von Anstrengung und Glaubwürdigkeit. Heute kann sie Misstrauen auslösen. Wenn etwas zu glatt ist, fragen wir uns, wer oder was es gemacht hat. Was uns als Mensch dabei nur bleibt, ist uns die Fähigkeit bzw. die Werkzeuge zu erhalten, Informationen zu unterscheiden, die wahr oder falsch sind. Diesen Einsatz und unsere Fähigkeit müssen wir proportional zur Entwicklung von KI trainieren!

Uns ist es sehr lieb, Probleme abzugeben, gerade lästige Probleme, die wir schnell hinter uns bringen wollen, werden an KI delegiert. Niemand würde auf die Idee kommen, sich im Escaperoom oder im Irrgarten durch Wegweiser oder Vorsagen zum Erfolg führen zu lassen. Der Reiz liegt im Suchen, Scheitern und Ausprobieren. Im Spiel ist die Mühe der Wert, im Alltag dagegen ist uns kein Wegweiser zu klein. Bleibt die Frage, welche Probleme wir lieber behalten möchten.

Einige Fragen haben mich im Anschluss an den AI.Cube beschäftigt, wohlwissend keine befriedigenden Antworten zu haben.
Was ist der Sinn von Bildung, wenn KI alles kann?
Was geben wir ab, wenn wir unsere eigenen Probleme nicht mehr selbst lösen?
Kann ein Teil des Bildungsbegriffs lauten „Probleme zu genießen, die zu uns passen“?

Erlebt am 01. Oktober 2026 zur Netzwerktagung des Landesfachverbands Medienbildung Brandenburg in Potsdam. Der AI.Cube wurde von der Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb) und dem MIZ Babelsberg entwickelt. Geeignet für alle ab 12 Jahren bis hin zu Fachkräften verschiedener Richtungen.